Virgin Islands


Virgin Islands
Virgin Islands
 
['vəːdʒɪn 'aɪləndz], deutsch Jụngfern|inseln, Inselgruppe der Kleinen Antillen, östlich von Puerto Rico. Die größere, westliche Gruppe mit den Hauptinseln Saint John, Saint Thomas und Saint Croix sowie rd. 50 kleinen, meist unbewohnten Inseln bildet ein Territorium der USA (Virgin Islands of the United States), 347 km2, (2000) 121 000 Einwohner; Hauptstadt ist Charlotte Amalie auf Saint Thomas. - Die östliche Gruppe mit über 40 Inseln (16 sind bewohnt, u. a. Tortola, Anegada, Virgin Gorda, Jost van Dyke) ist britische Kronkolonie (British Virgin Islands), 153 km2, (2000) 20 000 Einwohner; Hauptstadt ist Road Town auf Tortola.
 
Landesnatur:
 
Die einer untermeerischen Plattform aufsitzenden Inseln bilden geologisch eine Fortsetzung der Großen Antillen (v. a. Oberkreidekalke, vulkanische und metamorphe Gesteine). Die meisten Inseln haben hügeliges bis gebirgiges Relief (auf Tortola bis 543 m über dem Meeresspiegel, auf Saint Thomas bis 474 m über dem Meeresspiegel). Lediglich die Korallenkalkinsel Anegada erreicht kaum 10 m Höhe. Die Temperaturen des tropischen, unter dem Einfluss des Nordostpassats stehenden Klimas liegen bei 25-30 ºC, mit geringen jahreszeitlichen Unterschieden. Die Niederschläge (durchschnittlich 1 000-1 300 mm/Jahr) fallen hauptsächlich von September bis Dezember, unterliegen aber starken Schwankungen. Die Wasserversorgung erfolgt zum Teil durch Meerwasserentsalzungsanlagen und Zisternen. Die ursprüngliche Waldvegetation ist durch die Plantagenwirtschaft weitgehend vernichtet worden.
 
Bevölkerung, Wirtschaft:
 
Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus den Nachkommen der auf die Zuckerrohrplantagen verschleppten afrikanischen Sklaven. Die Indianer (Kariben) waren schon im 16. Jahrhundert ausgerottet. Statt der früher dominierenden Landwirtschaft (heute v. a. Obst- und Gemüsebau sowie Viehhaltung) ist der Fremdenverkehr vorherrschend, v. a. auf den amerikanischen Virgin Islands (1994 rd. 2 Mio. Besucher, v. a. Kreuzfahrtteilnehmer aus den USA; auf den britischen Virgin Islands 1993: 200 200 Besucher). Auf Saint Croix gibt es zahlreiche Industriebetriebe (Erdölraffinerie, Aluminiumhütte, Uhrenmontage, pharmazeutische und Bekleidungsindustrie, Rumherstellung); die Erzeugnisse sind für den Export in die USA bestimmt. Die British Virgin Islands sind ein wichtiges Finanzzentrum für Offshorebanken. Internationale Flughäfen auf Saint Thomas und Saint Croix, Tiefwasserhäfen auf Saint Croix, Saint Thomas und Saint John.
 
 
Kolumbus entdeckte die ursprünglich von Aruak und Kariben bevölkerten Virgin Islands 1493 auf seiner zweiten Reise und nannte sie nach der heiligen Ursula und den Zehntausend Jungfrauen Las Vírgenes [-'birx-]. Die kriegerischen Kariben, die eine spanische Ansiedlung nicht zuließen, wurden 1555 von spanischen Truppen in einer Strafexpedition unterworfen; bis 1596 waren die meisten von ihnen getötet worden oder geflohen. Die Inseln wurden nun zu einem beliebten Stützpunkt der Flibustier.
 
 
1648 nahmen Holländer Tortola in Besitz, 1666 folgten ihnen englische Siedler, die mithilfe von afrikanischen Sklaven Zuckerrohr und Baumwolle anpflanzten. 1774 gestand ihnen das Mutterland die Selbstverwaltung zu. Nach der Sklavenbefreiung (1834) kam es zu einem weitgehenden wirtschaftlichen Rückgang. 1867 wurde das repräsentative Regierungssystem abgeschafft und erst 1950 wieder eingeführt. Die Inseln, seit 1872 Teil der britischen Kolonie Leeward Islands, erhielten erst 1956 eigenen Kolonialstatus. 1967 wurde eine neue Verfassung erlassen (1977 ergänzt).
 
Virgin Islands of the United States:
 
Die Inseln Saint Croix (hier setzten sich im 17. Jahrhundert zunächst französische Siedler durch), Saint Thomas und Saint John waren seit der Mitte des 18. Jahrhunderts dänische Kolonien (Dänisch-Westindien). Die dänischen Pflanzer bauten - ebenfalls mithilfe von Sklaven (bis 1848) - Zuckerrohr an und trieben Handel mit Europa; Saint Thomas wurde zum Sklavenumschlagplatz für den karibischen Raum. - Von den USA 1917 für 25 Mio. US-$ von Dänemark erworben, wurden die Inseln zunächst der Marine, ab 1931 dem Innenministerium unterstellt. Sie werden von einem Zivil-Gouverneur verwaltet, der seit 1970 von der Bevölkerung direkt gewählt wird. Seit 1927 besitzt die Bevölkerung der amerikanischen Virgin Islands das Bürgerrecht der USA. Eine seit 1976 vorgesehene eigene Verfassung wurde von der Bevölkerung mehrfach abgelehnt.
 
 
I. Dookhan: A history of the V. I. of the United States (Epping, N. H., 1974);
 W. W. Boyer: America's V. I. A history of human rights and wrongs (Durham, N. C., 1983);
 V. W. Pickering: Early history of the British V. I. (London 1983);
 V. W. Pickering: A concise history of the British V. I. (New York 1987).

Universal-Lexikon. 2012.

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